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Europa dümpelt, Amerika strauchelt, Asien brennt – Kopp Online

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08.07.2015

Artikel senden | Drucken | Europa dümpelt, Amerika strauchelt, Asien brennt
Markus Gärtner

Der Börsencrash in China geht weiter, obwohl die KP mit allen verfügbaren Mitteln gegensteuert: 54 Prozent aller Aktien wurden vom Handel ausgenommen. Währenddessen brennt es auch in Südostasien lichterloh. Malaysias Währung, der Ringgit, ist auf den tiefsten Stand in 16 Jahren gekracht. Eine erneute Bindung an den Dollar – wie schon während der asiatischen Finanzkrise – wird erwogen. Und Indonesiens Wirtschaft ist so schwach wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Jetzt wurde die Verwendung ausländischer Währungen verboten. In Asien droht ein Flächenbrand.

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Chinas KP zieht seit Tagen alle Register, um die atemberaubende Schussfahrt an den Börsen in Shanghai und Shenzhen anzuhalten. Der Werkzeugkasten ist immens und wird beherzt eingesetzt, aber die einbrechenden Kurse interessiert das bisher nicht.

Die führenden Börsenbarometer haben seit Mitte Juni über ein Drittel an Wert verloren. Chinas Notenbank hat die vierte Zinssenkung seit November bekannt gegeben.

Mehr als 1200 Aktien werden nicht mehr gehandelt, um den Aderlass zu stoppen. Neue Firmen dürfen nicht an den beiden Börsen der Volksrepublik eingeführt werden, um das Aktien-Angebot zu begrenzen und die Preise zu stabilisieren. Wertpapiere im Gesamtwert von 2,6 Billionen Dollar – das ist fast die britische Wirtschaftsleistung in einem Jahr – sind auf Eis gelegt, um den Ausverkauf zu bremsen.

Große staatliche Pensionsfonds dürfen jetzt mehr Aktien erwerben, um gegenzusteuern. Staatliche Finanzagenturen vergeben derweil mit Garantien der Notenbank im Rücken Kredite für Aktienkäufe. Mit umgerechnet 73 Milliarden Dollar [http://info.kopp-verlag.de/data/image/941400.jpg] wird der Markt gestützt. Doch Millionen von Chinesen haben auf Pump gezockt.

Sie sitzen auf dicken Krediten, mit denen sie Aktien gekauft haben. Jetzt brechen die Kurse ein und die Broker verlangen das ausgeliehene Geld zurück. Notverkäufe sind die Folge. Am Mittwoch ging den zwölften Handelstag in Folge das Volumen für Aktienkredite zurück, und zwar gleich um 8,5 Prozent. Das war der größte Rückgang in China an einem Tag. Für viele Chinesen fühlt sich das an wie Heroin-Entzug im Zeitraffer.

Jetzt greift die Panik auf Hong Kong über. Ausländisches Kapital flieht. Die Notenbank verspricht eilig weitere Liquiditätshilfen. Doch die verbleibende Fallhöhe für die Kurse scheint enorm. Das verdeutlicht ein simples Beispiel.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – das den Aktienpreis ins Verhältnis zum Firmengewinn setzt – hat sich seit Juni von 108 auf 55 halbiert. Damit sind chinesische Aktien immer noch doppelt so hoch bewertet wie die Papiere im S&P-500-Index in New York. Und der ist nach einem Jahrzehnt manipulierter Zinsen selbst schon maßlos aufgebläht.

Jetzt eilen auch westliche Investmentbanken zu Hilfe. Sie setzen ihre bewährte Propaganda-Maschinerie in Gang, um die China-Kurse zu stützen. Kinger Lau, der China-Stratege bei Goldman [http://info.kopp-verlag.de/data/image/001_Katalogbild_im_Text/Onlinewerbung_Katalog_blau_72dpi.jpg] Sachs in Hong Kong, prognostiziert einen Kursanstieg von 27 Prozent in den kommenden zwölf Monaten. »Chinas Regierung hat eine Menge Werkzeuge im Kasten, um zu helfen«, verspricht er.

Doch so richtig glauben will das im Augenblick niemand.

Währenddessen erleidet Malaysias Ringgit einen Schwächeanfall, der sehr an den Ausbruch der Finanzkrise 1997 erinnert.

Der Ringgit geht seit Tagen in die Knie und ist bereits die schwächste Währung Asiens in diesem Jahr. Seit 2011 hat er 23 Prozent an Wert verloren. In Malaysias Nachbarland, Thailand, war im Juli 1997 mit einer schroffen Abwertung des thailändischen Baht die Asienkrise ausgebrochen.

Der Hintergrund der Turbulenzen in Malaysia ist nicht nur politisch: Das Wall Street Journal deckte [http://info.kopp-verlag.de/data/image/935200.jpg] am Freitag auf, dass Premierminister Najib Razak über Tarnkonten staatlicher Agenturen und Firmen fast 700 Millionen Dollar auf private Konten erhalten haben soll.

Der Premier bestreitet das. Der General-Staatsanwalt ermittelt. Die größte politische Krise seit der Unabhängigkeit des Landes ist ausgebrochen. Der jüngere Bruder des Regierungschefs spricht von »dunkelsten politischen Zeiten«.

Aber wirtschaftliche Probleme verschärfen die aktuelle Krise: Weil Malaysia ein Netto-Ölexporteur ist, leidet das Land unter der Halbierung der Öl-Notierungen seit dem Sommer 2014. Außerdem: Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA setzt den Ringgit zusätzlich unter Druck, weil sie Kapital abzieht und die Schulden örtlicher Firmen, die Kredite auf Dollarbasis aufgenommen haben, verteuert.

Ein Hauch von Asienkrise liegt plötzlich wieder in der Luft. Auch im Nachbarland Indonesien. Dort wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal so langsam wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der Arbeitsmarkt und der Konsum sind schwach.

Unter Präsident Joko Widodo lässt der Schwung nach, die versprochenen Investitionen bleiben aus. Dass jetzt die Verwendung von Devisen für inländische Transaktionen verboten wird, signalisiert [http://info.kopp-verlag.de/data/image/002_Newsletterbild_im_Text/Onlinewerbung_Newsletter_rot_72dpi.jpg] große Probleme und würgt die Wirtschaft weiter ab.

Denn zahlreiche große Firmen trauen der eigenen Währung, der Rupiah, nicht und bezahlen lieber in Dollar, Euro oder chinesischen Yuan. Ausländische Währungen sind jährlich an Transaktionen im Umfang von 73 Milliarden Dollar beteiligt. Das ist nahezu ein Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes.

Jetzt ist die Rupiah gegenüber dem US Dollar auf den niedrigsten Wechselkurs seit den 90er-Jahren gefallen. Wenn China weiter abbremst und die Weltwirtschaft nicht aufhört zu stottern, wird auch dieser Teil der Welt wieder ein Brandherd. Es scheint, als würden überall auf dem Globus die Kontinente vom Rand zu brennen beginnen.

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Bildnachweis: KPG_Payless / Shutterstock

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.

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